Auf den Spuren meiner Highland Vampire, 10

16. Juni 2015

Oh verflixt! Das Datum prangt regelrecht drohend auf meinem Handy. Es hilft alles nichts, ich schieb es beiseite und schreibe eine What’sApp an Charlie Allan. Wie schon befürchtet, ist tatsächlich etwas passiert. Er ist ziemlich krank von einem Konzert aus Italien zurückgekommen und liegt mit hohem Fieber in seinem Bett.

Wir beschließen, dass wir uns dann in Duncarron eben mit seiner Frau treffen. Da Malin gegen Mittag dort sein soll, flitzen wir zum Frühstück im Carronbridge Guesthouse und werden schon wieder nach Strich und Faden verwöhnt. Vor allem erfahren wir von der Gastgeberin sehr viel über die alljährliche Highland Show:
http://royalhighlandshow.org/visitors
Auch sie und ihre Tochter werden am ersten Tag dorthin fahren und sie erzählt, dass es die größte Show in Sachen Landwirtschaft, Vieh und  gleichzeitig schottischer Kultur ist. Schon wieder könnten wir uns in den Allerwertesten beißen, dass wir unsere Abreise nicht anders getimed haben, aber wenns jetzt für etwas zu spät ist, dann für diese Erkenntnis. Wir genießen unser Frühstück, das auch eine halbe Kompanie satt machen würde. Auf dem Zimmer sortieren wir mal flott ein paar Bilder, spammen unsere Jeany mit den latest News per WhatsApp zu und packen dann unsere Kameraausrüstung zusammen. Ich überleg mir kurzfristig – ja, ich bin eitel – ob ich mir die Haare waschen soll. Föhn ist vorhanden (Insider). Steffis hochgezogene Augenbrauen und das leicht mitleidige Kopfschütteln sagen mir, ich soll es lieber bleiben lassen. Ich schaue nach draußen – Schottenhimmel (also weiß blau, wie in Bayern), aber die Wolken jagen geradezu über den Himmel.

Steffi:“ Is’n bisschen windig.“
Eine halbe Stunde später fahren wir los. Unsere Vermieterin sagte was von 10 Minuten…….
Nach guten 20 Minuten machen wir uns Sorgen. Ich darf sie kurz zitieren:
„Haltet Ausschau nach etwas das euch an den Film King Kong erinnert. Also hohe Wälle, ein wenig unheimlich aber sehr eindrucksvoll..alles nur eben ohne King Kong, ihr versteht?“

Duncarron Fort, 2015

Duncarron Fort, 2015

Inzwischen stehen wir vor einem Stausee. Der erinnert uns NICHT an King Kong. Also heißt es wenden und zurück.
Steffi:“Hast du was gsehen, das so aussah?“
Gaby: „Nö, nicht wirklich. Dabei müsste das doch auffallen.“
Steffi: „Ist das ein Geheimprojekt??“
Gaby: „Eigentlich ja nicht, aber vielleicht fordern sie unsere Urinstinkte heraus und wir sollen es erfühlen??“

Ich pfeife auf meine Urinstinkte und fahre lieber auf einen Parkplatz der örtlichen Ranger. Bingo!! Da ist es – das Schild! …Ungefähr 25 cm lang und zehn cm hoch und um einen Pfosten getackert: Dunca..kann ich lesen. Für den Rest muss ich um den Pfosten rum .. macht das mal mit einem VW Sharan!!

Wir parken – irrsinnig stolz auf uns – und laufen los, den laut durch den Wald hallenden Hammerschlägen hinterher. Wer schon mal im Wald Lauten gefolgt ist, der weiß – die können in die Irre führen. Prompt, nach der dritten Abzweigung – finden wir es! Und wir wissen jetzt was unsere Vermieterin meinte. Das Fort ist mehr als beeindruckend. Es ist tatsächlich so, dass du, sobald du näher ran gehst, darauf wartest das Brüllen des Riesengorillas zu hören. Was wir dann allerdings hören, ist ein saftiger, schottischer Fluch, weil sich jemand auf die Finger gehämmert hat :-) Sehr beruhigend! Es sind Menschen!

Wir suchen erst mal den Eingang, den wir erst beim 2. Versuch auch finden. Schwer anzugreifen wären sie also schon mal gewesen in Duncarron Medieval Village. Endlich betreten wir zaghaft das Innere der gigantischen Wälle. Drin werkeln drei Menschen an den Aufbauten für das große Fest am kommenden Wochenende. Zuerst blickt man uns mittelalterlich grimmig entgegen – was gar nicht so uncool kommt.

Steffi in Duncarron, 2015

Steffi in Duncarron, 2015

Als wir Charlie und Malin erwähnen, tauen sie spontan auf. Vielleicht auch ein wenig darum, weil Steffi und ich wie immer sehr höflich und freundlich sind. Wir haben Pech – unsere Suchaktion kostete zu viel Zeit. Malin, die von Charlie nicht gesagt bekam, dass wir kommen (Männer mit Fieber….) ist schon wieder auf dem Rückweg nach Callander, denn sie muss nicht nur das Mittelalter Fest am Wochenende vorbereiten sondern auch die Teilnahme an der Highland Show schaukeln. Sie hat alleine schon damit meinen vollen Respekt!

Unser trauriger Blick zeigt Wirkung und einer der freiwilligen Helfer führt uns durch das Dorf und erzählt uns wie lange sie schon daran arbeiten. Ich kenne die Geschichte von Duncarron schon länger und mache jeden auf das Projekt aufmerksam, der nicht bei 3 auf dem nächsten Baum ist. Es allerdings nun mit eigenen Augen zu sehen ist gigantisch. Die Umzäunung, bestehend aus riesigen (!!) Baumstämmen, das große Haupthaus, was die Menschen hier leisten ist unglaublich.

Ich durfte nur ans kleine Katapult. Kein vertrauen, dieses Schotten!

Ich durfte nur ans kleine Katapult. Kein Vertrauen, dieses Schotten!

So ganz nebenbei: Wenn ich beim Maibaumaufstellen noch einmal einen von den 20 Kerlen, die hier den Baum hochwuchten stöhnen höre, dann gibt es was auf die Backe. In Duncarron stellen 5 (!!) Mann einen solchen Baum per Hand so auf, dass er in die vorbereitete Ausgrabung rutscht und in den Wall eingegliedert werden kann!!! Schotten eben!

Ich werde euch das, was der nette Herr uns erzählte, nicht alles wiedergeben. Denn inzwischen hatte ich eine Nachricht von Charlie! „Broke the fever, can meet tomorrow!“ Na, Leute DAS sind Männer!

Wer sich aber gerne über das Projekt informieren möchte und eventuell einen Teil dazu beitragen der kann das HIER:
http://www.duncarron.com/dun/about-duncarron/history-vision/
Wir liefen noch ein wenig herum, bewunderten alles und ließen die Jungs dann in Ruhe weiterarbeiten, wissend, dass wir am Folgetag alles erfahren würden, was wir wissen wollten.
Kaum hatten wir eingepackt und waren auf dem Rückweg zum Auto fiel uns ein, dass wir nichts zum Essen für den Abend hatten.

Steffi:“Wo holen wir uns denn unser Abendessen.“
Gaby (grübelnd): „Wie wäre es mit Denny? Das ist der nächste Ort?“
Steffi: „Okay, ich schau mal was es sonst noch gibt.“
Fazit: Nix! In Denny gibt es außer einer Bank und einem angenehm großen Sainsbury Supermarkt echt …ähm…wenig. Wir kaufen unser Abendessen und wollen eigentlich noch ein Stück fahren um ein Herrenhaus anzusehen. Blöde Idee!! Google steigt aus und damit unsere Orientierung. Nach etwa 7 Kreisverkehren haben wir keine blasse Ahnung mehr, wo wir sind.

Steffi: „Ach, dann fahren wir halt zurück.“
Gaby: „Echt, du weißt den Weg noch?“
Steffi (große unschuldige Augen): „Nö, aber du machst das schon.“

Wir spielen das berühmte Spiel „Schottland wo’s keiner kennt“ und sind tatsächlich eine Stunde später wieder in unserem Guesthouse. Nun haben wir doch noch mehr von der Umgebung gesehen als geplant. Für mich interessant: All das hier ist MacFarlane Country. Hier sind die Ländereien und Ebenen über die die drei Brüder in Tyne 1 galoppierten. Damals allerdings wohl etwas ..öhm..dünner besiedelt.

Wieder im Carronbrigde genießen wir unser Essen vor dem offenen Kamin, ehe wir uns auf unserem Zimmer ein paar Tässchen Tee gönnen und einfach nur lesen.

Für den nächsten Tag stand dann ein Treffen mit einem ganz besonderen Schotten auf dem Programm: Mr. Charlie „TheChick“ Allan!