Auf den Spuren meiner Highland Vampire, 3

Schottland? Herrlich! Linksverkehr? Gewöhnungsbedürftig!!

Morgens, 9 Uhr! Eigentlich bin ich ja ein recht unerschrockenes Kerlchen…eigentlich. Die Tatsache, dass ich in zwei Stunden ein Auto abholen soll, in der Waverly Parkgarage, mitten in Edinbourgh, treibt mir dann doch ein wenig den Angstschweiß auf die Stirn. Frühstück fällt vorerst mal aus. Mein Magen verweigert die Nahrungsaufnahme. Wir packen im Thistle unsere Siebensachen, verlassen mit einem Tränchen im Knopfloch, das relativ beschauliche Leith und klettern in einen Bus der uns in Richtung Downtown kutschiert.
Wir kämpfen uns durch die verflixt große Waverly Station, was uns mittels eines sehr netten, hilfreichen Angestellten der schottischen Bahn flott gelingt.
Kommentar Steffi: „Hey, der sah ja richtig gut aus.“
Gaby (dezentes Grinsen auf den Backen): „Schöne Männer find ich immer und überall.“
Steffi: „Was zu beweisen wäre, das glaub ich so noch nicht.“
Der Wissende schweigt und genießt :-)

Wir finden die Parkgarage auf Anhieb, unsere Autovermietung erst nach etwa 10 Minuten Aufzugfahren. Kein Problem, hat Spaß gemacht, die Stimme im Aufzug war echt nett ….
Aus dem Opel Corsa wird ein funkelnagelneuer VW Sharan.
Fragender Blick der Dame am Counter:
„Das ist jetzt ein etwas größeres Auto. Glauben Sie, dass Sie damit klar kommen werden?“
Gaby: „Ich denke, das bekomme ich hin.“
Sie scheint nicht überzeugt: „Wirklich? Was fahren Sie denn in Deutschland?“
Gaby: „Einen Jeep Grand Cherokee.“
Wir bekommen das Auto sofort, dazu eine kurze Einweisung mit der dringenden Bitte, ab sofort daran zu denken, dass ich links fahren muss.
Steffi sieht das unproblematisch.
„Du kannst das.“

Nun ja, wenn sie das sagt…. Ich steige in das Auto, und das sogar auf der richtigen Seite (!!) und wir fahren los. Der erste Kreisverkehr ist eine echte Herausforderung für mein logisches Denken.
Mein Hirn: „Fahr rechts!“
Steffi: „Fahr links!“
Ich entschließe mich auf Steffi zu hören und der Tag ist gerettet.
Unser Weg führt uns auf direktem Weg hinaus aus der Großstadt in den vergleichsweise ruhigen Ort Dalkeith.

Dalkeith

Dalkeith

Leser von Tyne 1, Liebe ohne Morgen, wissen was das heißt. Hier war das Bed & Breakfast von dem aus Susan mit ihrer lustigen Studententruppe loszog, um Crichton Castle zu besichtigen.
Mein Magen ist mittlerweile auch davon überzeugt, dass ich mit dem Auto ebenso wie mit dem Linksverkehr klarkomme und so frühstücken wir erst mal. Eine große Portion Rührei mit Bacon, Hash Browns, Tomaten, Pilze und Toast mit Butter und Orangenmarmelade später ist die Welt wieder komplett in Ordnung.

Bed & Breakfast Dalkeith

Bed & Breakfast Dalkeith

Steffi fotografiert das Guesthouse das wir ausgewählt haben, als Location zu fungieren, wir machen noch ein paar geniale Bilder an einer uralten Kirche und dann sitzen wir schon wieder im Auto, Richtung Crichton Castle.
Ich bin ziemlich aufgeregt. Wie wird es in Natura aussehen? Habe ich es mir so vorgestellt, wie es tatsächlich ist? Hat meine Fantasie mitgespielt?

 

 

 

Sie hat! Crichton Castle liegt inmitten einer traumhaft schönen Hügellandschaft, umgeben von Unmengen knallgelber Ginsterbüsche und lila Lupinien. Es duftet so intensiv nach Kräutern und Blumen, dass es eine Wonne ist.

Crichton Castle 2015

Crichton Castle 2015

Während Steffi noch die Kapelle ablichtet, suche ich mir meinen Weg hinein. Der sehr nette, junge Mann (Historic Scotland) der mich im Innern empfängt, ist begeistert, als er hört, dass ich ein Buch geschrieben habe, das zu einem Teil auf Crichton spielt. Ein Stapel Tyne 1-Flyer wechselt den Besitzer, ich muss ihm erklären, worum es in Tyne 1 geht und er erklärt sich bereit, ein kurzes Statement für unser Video abzugeben.
Als Steffi dazukommt ist sie etwas verblüfft.
Steffi: „Hey, der sieht ja schon wieder total gut aus!“
Gaby: *lächel*

Crichton erfüllt meine Erwartungen voll und ganz. Als ich auf einer Wandtafel lese, dass das Schloss einst im Besitz des Earl of Bothwell war, ehe dieser unter mysteriösen Umständen verschwand, werde ich mir selbst ein klein wenig unheimlich. Ich schwöre, das habe ich bei meiner Recherche seinerzeit nicht gelesen!!!

Ich kann es mir nicht verkneifen, kurz in den Teil des faszinierenden, alten Gemäuers zu klettern, in dem sich in Tyne 1 das „Portal der Zeit“ befindet. Kurzfristig bin ich im Jahr 1766…aber leider unter widrigen Umständen..daher bin ich froh, als ich sofort wieder zurückkatapultiert werde, um gerade noch zu hören wie Steffi folgenden Text ins Mikro spricht:
„Tja, nun ist sie wohl weg. Das ist jetzt echt doof, denn ich kann diesen Automatikwagen nicht fahren. Nutzt nichts, dann werde ich mal sehen, was ich mit ihrem Gepäck mache und wie ich hier weg komme.“
Der Inhalt dieses Statements gibt mir kurzfristig zu denken. Hätte ich doch auch direkt auf einem Scheiterhaufen landen können … bei meinem diplomatischen Geschick :-)

Gerne wäre ich noch länger geblieben, doch die Zeit drängt, wir müssen aufbrechen und nach Dundee fahren. Dort erwartet uns Jim, der nette Herr, der uns für die Nacht seine Couchen zur Verfügung stellt (Couchsurfing). Der hübsche, blonde Bengel auf Crichton Castle rät uns dringend zur Umgehungsstraße und ich schlage drei Kreuzzeichen, dass ich nicht nochmal im Berufsverkehr Edinburgh durchqueren muss. Wir umrunden die Hauptstadt, überqueren den Firth of Forth und ich freunde mich mit dem schnellen Sharan an. Erste Überholmanöver veranlassen Steffi zu dem trockenen Kommentar:
„Kaum ein paar Stunden hinterm Steuer und schon fährt sie wie ein Schotte.“

Kurz nach 5 Uhr erreichen wir Dundee, um uns erst mal gnadenlos zu verfransen. Ich suche nach einem Parkplatz, um mein Handy anwerfen zu können – von wegen Google Maps – und lande….bei Lidl Schottland *seufz*
Wir nutzen die Chance und decken uns mit Getränken und zwei Flaschen Weißwein für unseren Gastgeber ein. Dank Google finden wir unseren Weg problemlos und Jim erwartet uns bereits.

Jim & Marketa, Dundee

Jim & Marketa, Dundee

Sein dritter Gast, Marketa aus Tschechien, kocht gerade für uns und so entführt er uns kurzerhand gleich wieder. Er fährt uns durch halb Dundee, ehe er, als wir eine Anhöhe hinauffahren plötzlich sagt:

 

 
„Augen zu und erst wieder aufmachen, wenn ich es sage.“
Wir vertrauen ihm und schließen die Augen.
„So, jetzt wieder aufmachen.“
Dundee
Wir öffnen unsere Augen wieder und trauen denselbigen erst mal kaum. Jim hat uns zum höchsten Punkt von Dundee gefahren. Der Ausblick von dort ist atemberaubend. Jim ist unglaublich. Geduldig erzählt er uns die Geschichte seiner Heimatstadt, wir erfahren von seinen Söhnen und seinen Enkeln und dem was er alles so erlebt hat. Wir schließen Jim spontan und dauerhaft in unsere Herzen. Wieder zurück erwartet uns ein sehr feines Abendessen, auf dem Jim in mühsamer Kleinarbeit unsere drei Vornamen in Hackfleischstückchen aufgelegt hat. Wir sind endgültig total gerührt.

Es wird ein langer Abend der damit endet, dass wir uns zwei Folgen „Millennium“ (Original mit englischen Untertiteln) ansehen und endlich auch ich weiß, wer Lisbeth Salander ist. Kurz vor Mitternacht wird dann endlich geschlafen, was auch dringend nötig ist.
Am nächsten Tag wartet eine Mammuttour, der ich mit ein klein wenig gemischten Gefühlen entgegen sehe. Warum? Erfahrt ihr dann morgen :-)