Auf den Spuren meiner Highland Vampire, 9

Der 15. Juni 2015 ..Moooment! Das kann nicht sein! Wir können unmöglich schon so lange hier sein.

Hm, doch! Sind wir. Als wir aufwachen, ist uns kalt und alles außerhalb der Betten grenzt an Sibirien. Was bei mir eh sehr leicht ist, denn ich tendiere dazu, es sehr warm zu mögen.
Zitat einer lieben Freundin: „Wahrscheinlich haben sie uns in unseren letzten Leben andauernd verbrannt, darum mögen wir es mittlerweile so warm.“
Das Argument hat was! Nur nutzt das alles nix, wir müssen raus, eigentlich wollen wir das auch, bevor wir diesen Feuchtigkeitsmief gar nicht mehr aus der Nase und den Klamotten bringen.
Wir packen nochmal einen Hauch schneller als sonst und gehen nach nebenan zum Frühstück. Das entschädigt nun ein wenig, denn es gibt eine Mammutportion Rührei mit frisch geräuchertem Lachs. Echt fein. Ein Blick nach draußen stimmt uns ein wenig nachdenklich. Graue Wolken ziehen über den Himmel, es ist ein wenig duster. Ausgerechnet am Loch Lomond Tag. Aber wir sehen es positiv: Schottland pur!
Hurtig packen wir die Koffer ins Auto und ab geht es. Auf dem Weg liegt eine alte Kirche in der nun ein Restaurant ist. Sieht sehr cool aus. Ich mache Steffi drauf aufmerksam, aber die hats natürlich schon gesehen und fotografiert. Ein paar Kilometer später treffen wir wieder auf die Straße die am Loch Lomond entlang führt. Wir suchen … na, wer errät es? Ja! Eine Parkmöglichkeit um den See erkunden und vor allem sehen zu können.

Endlich, nach mehreren Kilometern, kommt ein großer Parkplatz mit Zugang zum See. Dank des nicht wirklich guten Wetters sind wir fast alleine, als wir, unsere Kameras griffbereit zum Loch hinunter laufen. Tatsache weit und breit kein Mensch…halt…einer hat sich doch verlaufen. Der aber sucht das Weite, sobald er uns sieht. Mann, können wir böse gucken wenn wir wollen.

Loch Lomond, 2015

Loch Lomond, 2015

Steffi sucht eine Location für ihre Loch Lomond Lesung und findet DEN perfekten Ort dafür.

Da sie eine „dunkle“ Passage liest, passt das Wetter perfekt, ebenso das Ambiente. Es ist fast schon ein wenig spooky! Genial.

 

 

Bevor Steffi gefilmt wird, gibt’s aber ein Kurzvideo vom Loch Lomond. Das bekommt Castus, denn von dem wissen wir, dass er verflixt gerne auch hier stehen würde. Der mag nämlich Reisen auch überhaupt nicht :-) Außerdem möchten wir ihm eine Freude machen, weil ihm irgend so ein Vollhonk vor ein paar Tagen sein Rad geklaut hat. Also gibt’s einen Rundschwenk über den Loch Lomond, den wir eigentlich mit dem gleichnamigen Song von William von Rapalje unterlegen wollen. Doch just in diesem Augenblick stirbt der Akku meines MP3. Ich erwäge kurz selbst zu singen, aber wir wollen dem Mann ja keine bleibenden Schäden zufügen, daher unterlasse ich das tunlichst.

Highland Lassie :-)

Highland Lassie :-)

Als Steffis Szenen im Kasten sind bleiben wir noch ein wenig da, Mistwetter hin, Nebel her. Die Gegend hat bei jedem Wetter ihren unvergleichlichen Zauber.

 

 

 

 

 

Kaum sitzen wir wieder im Auto, klingelt Steffis Handy. Der Vermieter des Feuchtbiotops ist dran. Gaby hat ihre Jacke vergessen.
Steffi: „Das hast du absichtlich gemacht, du wolltest da nochmal hin.“
Gaby:“ ……….“
Als wir dort ankommen, öffnet er und hält mir freudestrahlend meine Jacke entgegen … in deren Tasche meine Kreditkarte steckte…
Auch aus diesem Grund hier kurz eine Erklärung: Nein, wir werden den Namen des Bed & Breakfast nicht nennen. Der Besitzer ist ein Chaot aber superlieb. Er und seine Familie sind auf die Einnahmen angewiesen. Zwei kleine Kinder wollen auch erst mal großgezogen werden. Also wir habens überlebt, das überlebt ihr auch, wenn ihr durch Zufall dort landen solltet. So ein bissel Abenteuerurlaub….

Wir fahren zurück, ich mache Steffi auf eine alte Kirche aufmerksam in der jetzt … Steffi sucht nach etwas das sie nach mir werfen kann.

Noch zwei Mal halten wir, um die Gegend einfach zu genießen und auch selbst ein wenig zur Ruhe zu kommen. Die letzten Tage waren herrlich aber anstrengend. Leider müssen wir irgendwann abbiegen und lassen den Loch hinter uns. Nicht ganz so schlimm, denn die Gegend durch die wir dann fahren wäre durchaus Rosamunde Pilcher tauglich. Kleine Dörfer, hohe Steinmauern, alte Kirchen (nein, wir sind da nicht nochmal vorbeigefahren…), Schafweiden „Oh, Schaaaafe.“ Irgendwann schenk ich Steffi ein Lamm!

Schafe, nicht zu vergessen: Das Panorama!

Schafe, nicht zu vergessen: Das Panorama!

Wir entschließen uns irgendwo einen Tee zu trinken und landen in einem ausgesprochen hübschen Laden, in dem es vorne alles Mögliche (und Unmögliche) aus Schottland gibt und man sich nach hinten (nach üppig getätigten Einkäufen) in einen edlen Coffee Shop durcharbeiten kann. Ich decke mich mit Geschenken für die Family ein (Toffeedip für frisches Obst, ey, mal ernsthaft wie genial ist denn sowas? Mein Junior mag derzeit besonders frische Äpfel!!!) Dann haben wir es geschafft und sitzen bei weichen, warmen Scones mit Marmelade und einer Kanne Tee. Ihr merkt schon, das Nationalgebäck hat es uns angetan. Und außerdem gibt’s hier freies WLAN. Wir kommen uns fast ein bisschen doof vor, da wir beide wie die Blöden in unsere Handys hacken, aber ihr erinnert euch – kein WLAN im Feuchtbiotop!! Also hieß es jetzt Jeany daheim in München mit allem zu beglücken, was wir die letzten zwei Tage gesammelt hatten.

Wieder auf der Straße verändert sich die Gegend langsam. Wir lassen die Highlands hinter uns *seufz*. Willkommen Lowlands! Während Steffi fotografiert, wird das Wetter wieder ein bisschen besser. Langsam nähern wir uns dichter besiedeltem Gebiet. Ich bin ein klein wenig wehmütig. Ich oute mich hiermit als Fan von eher dünn besiedelten Gebieten.

Ich sehe ein paar Häuser, die ein exzellentes Vorbild für Tyne Cottage abgeben würden, doch Tyne Cottage muss warten bis zu unserem nächsten Aufenthalt – dann reiten wir mal von Dalkeith aus etwa zwei Stunden nach Westen und gucken wo wir dann sind 😉

Es wird Zeit den Weg zu unserer nächsten Unterkunft zu finden. Carronbridge Guesthouse zwischen Stirling und Denny. Zuerst finden wir … nix! Halt doch, wir finden eine Tankstelle mit entzückenden schottischen Mädels, die sofort ihre Handys zücken und versuchen für uns den Ort zu finden.

Gaby: „Ladies, das muss hier ganz in der Nähe sein.“
„Schon möglich, aber wir kennen uns hier nicht so gut aus.“
Gaby: „Aber ihr lebt hier, oder??“
Grinsen: „Ja, das was uns interessiert kennen wir ja auch.“

Unschlagbares Argument!

Wir decken uns in der Tanke mit sehr leckerem Abendessen ein und endlich springt auf meinem Handy Google Maps wieder an. Tatsächlich findet Big Brother das Guesthouse. Wir sind entzückt. Jetzt müssen nur wir es noch finden. Google kennt Straßen die es im wahren Leben nicht gibt. Nach drei Umrundungen im Kreisverkehr (ich hasse Karussellfahren) finden wir tatsächlich eine …ja, single track road, die über ein paar Hügel nach Carronbridge führen soll. Eine Meile später das böse Erwachen: „Straße ab dem 15. gesperrt“, steht da in großen Lettern auf dem Schild, das ist dann mal ..heute. Irgendwo in mir regt sich der alte Revoluzzer.

Gaby: „Ich hab sowas von keinen Bock jetzt 30 Kilometer außen rum zu fahren. Wir versuchen das jetzt.“
Steffi:“Wenn du meinst.“
Gaby: „Meine ich!“
Wir umrunden frech das Verbotsschild und ich fahre weiter. Mir kommt ein Baufahrzeug entgegen, dem ich charmant wie ich bin, die Vorfahrt gewähre indem ich mich in eine Ausweichbucht quetsche und die Jungs im Truck freudig anstrahle. Sie strahlen zurück.

Angeblich geht es nach dem Aussichtspunkt nicht weiter. Das will ich sehen! Ich fahre weiter. Links neben uns in einem Waldstück werden gigantische Trucks mit nicht weniger gigantischen Stämmen beladen und ich beginne zu ahnen, warum die Straße gesperrt ist. Macht nix, ich fahr weiter. Wir erreichen unbeschadet das andere Ende der Hügelkette und in der Ferne liegt das Carronbridge Guesthouse im Schein der Sonne…..und vor uns ist ein Gestell mit einem Verbotsschild und diverse Grenzmarker.
„Der Weg ist versperrt“

Steffi: „Oh Mann, so kurz vor dem Ziel.“ (trauriger Blick)
Gaby: „Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? (fassungsloser Blick) Du steigst jetzt aus, räumst die Hütchen und die Schilder zur Seite und ich fahr da durch.“
Steffi: „Wirklich???“
Gaby: „Aber sowas von!!“

Steffi ist das eindeutig nicht ganz geheuer. Sie steigt, sich hektisch umblickend, aus dem Auto und räumt mit leicht anklagendem Blick ob der strafbaren Handlung die orange – weißen Kegel beiseite.

Als ich den Sharan durch den kleinen Zwischenraum manövriere erklingt irgendwo in meinem Hinterkopf ganz leise die Titelmelodie von „Der Pate“. Was sind wir doch für Gangster!

Das Carronbrigde Guesthouse begrüßt uns mit Pferden und Schafen und einer bezaubernden Gastgeberin. Ich weiß nicht wie ich es erklären soll, ich versuche es mal so: Man kommt irgendwo an und hat spontan das Gefühl „zuhause“. Das sehr alte, aber liebevoll gepflegte und daher auch blitzsaubere Haus ist einfach nur toll. Ganz zu schweigen von den zwei Damen, die es führen. Es war, als käme man zu alten, sehr lieben Freunden! Auf dem Zimmer inspiziert Steffi sofort das Bad und gibt umgehed Entwarnung: Perfekt!

Wir beschließen, es für den Rest des Tages ruhig angehen zu lassen und sitzen später dann noch ein wenig am offenen Kamin im ehemaligen Speisesaal des Hauses. Danach korrigiert Steffi Texte und ich lese in „Der Junge der Träume schenkt“. Inzwischen komme ich mit dem Buch klar, wir haben uns eingegroovt :-) Als Steffi auf der Weide direkt gegenüber unserem Fenster die Schafherde erblickt, kann der Tag gar nicht mehr besser werden.

Ich bin lediglich ein wenig besorgt, da ich noch nichts von Charlie Allan gehört habe, dessen Duncarron Medival Village hier ganz in der Nähe ist. Es ist nicht seine Art, sich nicht zu melden. Na, warten wir den nächsten Tag ab.

In diesem Haus macht sogar warten Spaß!