Auf den Spuren meiner Highland Vampire, 11

Mittwoch der 17. Juni 2015 …wie jetzt?

Eigentlich wollen Steffi und ich das Datum weder sehen noch hören. Leider kommen wir aber nicht darum herum. Nicht ganz so fröhlich wie die letzten 12 Tage schälen wir uns an diesem Tag aus unseren Betten. Unsere Vermieterin versucht uns aufzuheitern .. mit einem full scottish breakfast…. prompt gelingt es ihr. Was auch noch hilft, ist die Tatsache, dass ich eine WhatsApp von Charlie auf dem Handy habe: 11:00 Uhr im HQ (Headquarter ) des Clanranald Clans in Callander.
Ich sehe auf die Uhr und stelle fest: mutig, mutig! Doch unsere Vermieterin meint im Brustton der Überzeugung, dass wir von Carronbridge bis Callander nur etwa eine halbe Stunde brauchen.Wir flitzen auf unser Zimmer und bereiten die Kameraausrüstung vor. Akku: voll, Band: neu, Stativ: dabei! Passt alles. Schnell alles verpacken und dann geht es los.

Ich biege hoffnungsfroh in die Straße nach Stirling ein, von der aus die Umgehung abgehen soll.
Steffi wirft sicherheitshalber unsere Google-Helene an. Helene sagt auf der Straße bleiben. Mach ich! Die Straße ist lang … zu lang … viel zu lang!

Gaby: „Steffi, schau doch bitte mal, ob wir noch richtig sind.“
Steffi (wirft mit gerunzelter Stirn einen Blick auf mein Display): „Passt, fahr weiter.“
Ich fahre weiter!
Gaby: „Steffi, schau doch bitte nochmal. Das wird mir unheimlich.“
Steffi: „Nö, passt alles. Google sagt wir sind richtig. Oh, warte mal, da vorne musst du links rein.“
Gaby (verwirrt): „Steffi, da vorne kann ich nicht links abbiegen. Da ist keine Straße.“
Steffi: „Das ist jetzt vollkommen egal, Google sagt da ist eine, also bieg gefälligst ab.“

…….Ich fahre geradeaus weiter, da mir der Zaun doch etwas zu massiv vorkommt und lande mitten in Stirling. Das war so nicht geplant – ach was soll’s. Nette Stadt, dieses Stirling, große Stadt … Es dauert bis wir da wieder draußen sind. Endlich lassen wir die Stadt hinter uns und es wird ruhiger. Ich gebe Gas und wir passieren diverse kleine Orte und endlich sehen wir das Ortsschild von Callander. Das HQ ist mitten in Callander in einer alten, ehemaligen Kirche – so mag auch ich Kirchen!

Gerade als ich mit sehr schlechtem Gewissen um viertel nach 11 auf einen Parkplatz fahre, hummelt mein Handy. Nachricht von Charlie „Keine Hektik, ich komme ne Viertelstunde später“ – den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf!!Im HQ empfangen uns die netten Leutchen, die schon am Vortag in Duncarron gewerkelt haben. Wir werden erfreut begrüßt und dann ist er da.

"The Chieftain", Charlie Allan, 2015

„The Chieftain“, Charlie Allan, 2015

Charlie „The Chick“ Allan, meine Inspiration für den Chieftain, ist eine Naturgewalt. Sogar krank und nicht wirklich auf dem Damm ist er eine faszinierende Persönlichkeit.

Er erzählt uns wie es zu Duncarron kam, woher er seine Motivation nimmt, immer weiter zu machen, egal wie schwer es auch sein mag und wo und wie alles begann. Ein großer Teil seiner Motivation und seines Erfolges läuft immer wieder lächelnd an uns vorbei.

 

 

Die Seele des Clanranald Clans, Malin Heen-Allan, 2015

Die Seele des Clanranald Clans, Malin Heen-Allan, 2015

Charlies unglaubliche Frau Malin. Sie ist – gemeinsam mit ihm – Herz und Seele von Duncarron und dem Clanranald Trust. In der Zeit, in der Charlie interviewen, organisiert sie – mal schnell – zwei Events, stimmt Termine ab, koordiniert ihre Leute, die gerade zwei Sprinter beladen, telefoniert, empfängt diverse Gäste, die Fragen haben und das mit einer Ruhe, die ihresgleichen sucht. Sie und Charlie ergänzen sich perfekt – Dreamteam!

Ich werde das Interview mit Charlie heute nicht schreiben,denn das haben wir alles auf Band, eine ganze Stunde, das wir euch dann sobald alles fertig ist – natürlich – hier vorstellen. Nachdem er uns alles erzählt hat, bekommen wir eine Führung durchs HQ und wir staunen nicht schlecht. Die Kirche hat es in sich. Es ist nicht nur das altehrwürdige Gemäuer, nein, neben den Räumen des Clans birgt sie noch einen ganz besonderen Schatz, den Charlie uns grinsend präsentiert:Dort, im Obergeschoss, in einem riesigen Raum, lagern die kompletten Requisiten des Films „King Arthur“ mit Clive Owen, Keira Knightley, Stellan Scarsgard, Till Schweiger uva. Wir sind geplättet. Das ist so ein bisschen wie Weihnachten und Ostern auf einmal. Schweigend und voller Bewunderung betasten wir das Kostüm, das Clive Owen trug, die Schilde und Waffen der Sachsenkrieger … und schon regen sich in unseren Köpfen wieder neue Figuren.

Requisiten aus King Artur, 2015

Requisiten aus King Artur, 2015

Wir streifen noch ein wenig durch dieses Paradies für Autoren, ehe wir uns verabschieden. Charlie muss wieder auf die Couch um gesund zu werden, am Wochenende steht ein Riesenfest in Duncarron an. Malin muss los, um die Teilnahme des Clans an der Highland Show zu organisieren. Die Beiden versorgen uns noch mit Tipps für den Rest des Tages.Fahrt einfach geradeaus, ihr kommt in eine der schönsten Gegenden Schottlands!

 

 

 

 

 

 

Wir folgen dem Rat und landen in den Trossachs, der Heimat des legendären Rob Roy. Die Landschaft ist überwältigend schön, für uns zum Abschied kommt sogar die Sonne nochmal heraus. Ich folge der Beschilderung und Steffis Anweisungen und so landen wir – weitab von der großen Straße – in einem Ort namens Balquhidder. Genauer gesagt, auf einem uralten Friedhof.

Rob Roys Friedhof, 2015

Rob Roys Friedhof, 2015

Der Ort hat etwas Magisches, verfallene Gräber, umgefallene oder wahlweise schief stehende Grabsteine, von denen einige so verwittert sind, dass du nichts mehr entziffern kannst. Und dann finden wir es – das Grab von Robert Roy MacGregor. Ganz ehrlich: Es ist etwas anderes, vor seinem Grab zu stehen, als darüber zu lesen.

Ihm zu Ehren, drehen wir unser Abschiedshandyvideo dort und sagen an diesem geheimnisvollen Ort schon mal bye bye. Wir aber haben noch zwei wichtige Dinge vor uns:Essen kaufen und Doune Castle. In genau der Reihenfolge. Gemütlich kutschieren wir zurück nach Callander, nicht ohne noch das ein oder andere Foto mitzunehmen. Dort decken wir uns bei Tesco mit Salat und Sandwiches ein, ehe ich einen Block weiter einen Laden entdecke an dem ich nicht vorbei KANN!! „The Fudge Shop“ We make our own Fudge! Aaahrggg! Für eine Süßnase wie mich ist das eine Tortur: Etwa 40 Sorten Fudge und ich mitten drin. Dem Himmel sei Dank war da auch einer dieser schönen antiken Spiegel!! Ich danke dem Innenarchitekten, kaufe Fudge für Jeany und Hela und verlasse – sehr stolz auf mich – den Shop. (Heute könnt ich mich in den Hintern beißen…aber was soll’s).Memo an mich: Unbedingt wieder nach Callander fahren!Als nächstes steht Doune Castle auf unserer Liste.

Duone Castle, 2015

Duone Castle, 2015

Das Schloss, das als Vorbild für Aidan Earl of Lerwicks „Cantless Rock“ in 1766 fungierte ist beeindruckend. Und passt perfekt, gut gewählt! Die Leser werden vor allem nach der Lektüre von „Entscheidung für die Ewigkeit“ wissen warum :-)

Wir lassen es ruhig angehen und durchstreifen noch etwas den leicht verwilderten Park, ehe wir zurückfahren in Richtung Carronbrigde. Es ist schon wieder spät und morgen heißt es aufbrechen.

Ein letztes Mal sitzen wir vor dem Kaminfeuer im Guesthouse und genießen unser letztes Dinner (etwas hochtrabend für Salat und Sandwich, aber egal..) Dann packen wir schon mal das Wichtigste zusammen.

Es wird ein sehr ruhiger letzter Abend, an dem wir unsere Reise Revue passieren lassen: Es war sehr, sehr schön!

Zwangsläufig kommt dann doch der nächste Morgen und nach einem letzten, gemeinsamen Frühstück, beladen wir den Sharan und ich fahre Steffi nach Stirling, wo sie noch drei Tage bleiben wird. Ich selbst mache mich auf Richtung Edinburgh, wo ich, dank Google-Helene, tatsächlich auf Anhieb zur Waverly Station finde, um das Auto abzugeben. Ich bin sakrisch stolz auf mich: 1.600 Kilometer in Schottland und die Karre hat keinen Kratzer (in die Flucht geschlagene Radkappen zählen nicht!). Zehn Minuten später sitze ich im City Link Bus zum Flughafen, wo ich erst mal vier Stunden totschlagen muss. Das klappt dank „Der Junge der Träume schenkt“ sehr gut. Ich lese die letzte Seite, kurz bevor mein Check-In losgeht. Ein echt schönes Happy-End, das mich ein wenig tröstet.

Ich gebe meinen Koffer auf, marschiere durch die Sicherheitskontrolle (das war’s mal wieder mit meinem Duschgel, aber irgendwann lerne ich auch, dass das nicht ins Handgepäck gehört), kaufe mir ein allerletztes Irn Bru (light) und setze mich an mein Gate.Tja, das war es dann. 12 Tage Schottland sind vorüber und wir haben enorm viel gesehen und erlebt.

Danke an alle dort, die diese Tour so besonders gemacht haben:

Maestro Paul MacDonald, Swordmaker

Jim und Marketa, Dundee

Jane und Michael, Garadh Buidhe

Pippa und John, Heatherbank Guesthouse

Den bezaubernden Ladies vom Carronbridge Guesthouse

Den Clanranald Clan

Malin & Charlie Allan  uva….

und den Geistern und Seelen all der Highlander, die uns zu so vielen neuen Ideen verholfen haben!Ganz besonders aber meiner Begleiterin und Mitreisenden Stephanie Linnhe – war einfach toll mit dir, ganz bald wieder, okay?

Charlie and the Highland Lassie, 2015

Charlie and the Highland Lassie, 2015